• Ölkrise und Ölschock bei der BMW R 90 S

    Ölkrise und Ölschock in den 70er Jahren–auch bei der BMW R 90 S

    Als der Langstreckentest der BMW R 90S in der ersten Ausgabe des Jahres 1976 veröffentlicht wurde, quittierten wir R 75/5 Fahrer aus der /5er Clique, Besitzer des langjährigen Spitzenmodells von BMW also, dies mit einer klammheimlichen Freude.

    Wir wussten es ja damals 1973 schon, als die R 90S auf den Markt kam,
    dass
    • 450 ccm pro Zylinder viel zu viel sind
    • der Druck zu hoch ist und zu Lasten der Haltbarkeit der Materialien geht
    • 67 PS kein Mensch braucht und das /6 Fahrwerk überfordert
    • die Lackierung viel zu aufwändig ist
    • bei 5 Gängen keine vernünftige Übersetzung möglich ist und man viel zu viel schalten muss
    und der höher drehende Motor mit den italienischen Sportvergasern sowieso nicht lange halten würde.

    Die richtige, ehrliche Neidhammelnummer also, weil unser Motorrad vom Thron gestoßen wurde und nicht mehr die Nummer 1 war.
    Die R 75/5 Fahrer kompensierten dies: entweder kauften sie die Sport-BMW, falls die Finanzen es erlaubten oder mäkelten an dem neuen Modell herum. Für die letztere Gruppe der R 75/5
    Fahrer wurde aus der klammheimlichen Freude dann schnell die offene Schadenfreude, ohne den Hintergrund überhaupt genau zu kennen!

    Wie war das mit dem Ölschock in den 70er Jahren bei der R 90 S?

    Folgendes war geschehen:
    In dem o.g. Langstreckentest über 30 000 km der Zeitschrift „Das Motorrad“ Ausgabe 1/76 kam es zum „Show down“ überhaupt: Zitat: „Die mit den Fahrwerks-Malaisen geplagte R 90S mußte noch einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen: einen Pleuellagerschaden. Es war der erste Motorschaden an einer BMW-Testmaschine überhaupt, daher umso verwunderlicher und ärgerlicher. Leider blieb die Ursache ungeklärt“.

    Klar und Fakt aber war, dass bei km-Stand 8500 beim Ölwechsel von Castrol Mehrbereichsöl zum sollsynthetischen Öl namens „SHC“ von Mobiloil gewechselt wurde. Der Verbrauch sollte beim synthetischen Öl geringer sein. Die 90 S reagierte zuerst mit schlechtem Kaltstartverhalten auf den neuen Schmierstoff. Entgegen der ursprünglichen Annahme fraß sie aber auf den 1000 km dann einen ½ Liter Öl, also nicht sehr sparsam. Der fehlende ½ Liter wurde dann mit herkömmlichem also mineralischem Öl aufgefüllt - alle Motoröle sollen ja untereinander mischbar sein - da das synthetische nicht zur Verfügung stand.

    Nach 80 km kam es dann zum Schaden am Pleuellager.
    Zitat „Das Motorrad“ 1/76: „ Als wir das Öl abließen um den Motor auszubauen, floß es nur zäh und klebrig ab. Noch erstaunlicher war der Anblick des Öls, als die Ölwanne gelöst wurde: eine puddingartige, Fäden-ziehende Masse vermischt mit Lagermetallspänen war zurückgeblieben, die das Ölsieb mit einem Film überzog.“

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    Da der Hersteller des Öls im Labor keine Unregelmäßigkeiten oder Besonderheiten bei der Untersuchung des Ölschlamms finden konnte, war die Frage nicht beantwortet: wer war zuerst da, der Lagerschaden oder der Ölpudding, der zumindest im kalten Zustand den Ölfluss nicht gewährleistet. Auch das Zerlegen des Motors bei BMW brachte keine neuen Erkenntnisse, alle kontrollierten Ölleitungen waren frei.

    Es konnte keine Ursache gefunden werden.

    Die Firma Mobiloil sah einen solchen Ölschlamm zum ersten Mal und BMW konnte den Lagerschaden nicht erklären.

    Zwischendurch wurde von den Testern als Übertäter schlechtes Benzin, das evtl. die Rückstandsbildung hervorrief, verdächtigt. Das Benzin konnte aber nicht überführt werden.
    Es fehlten einfach Proben des Benzins aber auch Proben der Öle, die eingefüllt und nachgefüllt wurden.

    Nach der Reparatur, die 3 Gleitlager (ein Kurbelwellenlager, zwei Pleuellager) wurden ersetzt, ging der Langstreckentest bis Kilometerstand 30 000 ohne Motorprobleme weiter.


    Der Ruf der damals meist produzierten und bestverkauften BMW war aber erst einmal geschädigt.

    Was lehrte uns das alles:


    Keiner von unseren Boxermotoren hat jemals einen Tropfen teil- oder vollsynthetisches Motoröl gesehen, auch nicht von weitem.